Maison

Francis Kurkdjian

Paris

Die Natur hält eine Vielzahl von Blumen mit komplexen Düften bereit, die mit den Kreationen eines Parfümeurs vergleichbar sind.

Zwar lassen sich einige Blumen mühelos zu Essenzen oder Absolues verarbeiten, doch den meisten Blüten sind ihre Geheimnisse nur teilweise zu entlocken. Daher versuchen Parfümeure stets aufs Neue, ihre Düfte und ihre Aura nachzuempfinden. Hierin liegt die Schönheit der Natur und die Magie der Parfümeurskunst.


Mit Ausnahme der Rose, des Jasmins, der Tuberose, der Magnolie, der Narzisse, der Mimose, der Kassie, der Orangenblüte, des Lavendels, des Ginsters, des Ylang-Ylang und des Osmanthus gelten alle anderen Blumen als „stumm” und geben ihren Duft nicht preis: Sie liefern keinen Extrakt, der für die Komposition eines Parfums verwendet werden könnte, da eine Extraktion mengenmäßig nicht lohnenswert oder schlicht nicht durchführbar ist.


So wird beispielsweise der Duft von Maiglöckchen, Dufterbsen, Lilien, Hyazinthen, Veilchen, Flieder, Pfingstrosen oder Geißblatt sowie vielen weiteren Blumen und Blüten von Parfümeuren lediglich nachempfunden.

“Was die Natur nicht hergeben kann, wird vom Parfümeur neu erschaffen.”

Amyris femme
Eau de parfum

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind Parfümeure dank der organischen Chemie in der Lage, den Duft all dieser sogenannten „stummen” Blumen zu imitieren und deren Duftkomponenten ausführlich zu definieren, indem sie Duftmoleküle verwenden, um die Gerüche von Blumen, deren Duft sich nicht extrahieren lässt, von Grund auf neu zu erschaffen.


Um den blumigen, leicht mandelartigen und subtilen „grünen” Duft der Blüten eines Maiglöckchens nachzuempfinden, kann ich mich natürlicher Rohstoffe bedienen. Vor allem eignen sich hierfür jedoch synthetische Inhaltsstoffe wie Hydroxycitronellal, ein um das Jahr 1910 entdecktes Molekül mit einem weißen, luminösen und sehr leicht pudrigen Blütenduft, der an Maiglöckchen, aber auch an Pfingstrosen, Dufterbsen oder Seringablüten erinnert. Je nach Inspiration stelle ich die eine oder andere Facette eines entsprechenden Blütendufts in den Vordergrund. Wenn ich einen überwiegend „grünen” Maiglöckchenakkord komponieren möchte, um dessen Frische hervorzuheben, können beispielsweise die Noten von „frisch gemähtem Gras” in Form von cis-3-Hexenol stärker betont werden. Für einen sinnlicheren Maiglöckchenduft akzentuiere ich hingegen vorzugsweise gehaltvolle blumige Noten in Form von Indol, einem faszinierenden Duftmolekül, dessen chemische Verbindung in „weißen” Blumen wie Lilien, Orangenblüten oder Geißblatt natürlich vorkommt. Blumen bergen Geheimnisse in sich, die Parfümeure zu entschlüsseln suchen, ebenso wie impressionistische Maler versuchten, Licht bildlich festzuhalten.

Entdecken Sie die blumigen Kreationen

Die anderen Duftnoten